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Website-Texte, die gelesen werden – Struktur statt Werbesprache

2. November 2026 · Lesezeit ca. 6 Minuten · von Holger Klopmeyer

Die meisten Firmenwebsites haben ein Textproblem, das man auf den ersten Blick nicht sieht: Die Sätze sind korrekt, die Rechtschreibung stimmt, und trotzdem liest sie niemand. „Wir sind Ihr kompetenter Partner für ganzheitliche Lösungen" hat jeder Besucher schon hundertmal gelesen. Er liest es nicht mehr – er überfliegt es und klickt weiter.

Dieser Artikel zeigt, woran das liegt und wie du Texte so aufbaust, dass sie gelesen werden. Ohne Textertricks, dafür mit Struktur.

Besucher lesen nicht, sie suchen

Die Usability-Forschung beobachtet seit den 1990er-Jahren dasselbe: Menschen lesen Webseiten nicht von oben nach unten, sondern überfliegen sie. Sie suchen eine Antwort auf eine konkrete Frage – „Macht ihr das, was ich brauche?", „Was kostet das ungefähr?", „Wie komme ich an euch heran?" – und lesen erst dort genauer, wo sie etwas Passendes entdecken.

Daraus folgt: Ein Text auf einer Website ist kein Aufsatz, sondern eine Wegweisung. Er muss in wenigen Sekunden zeigen, dass die Antwort hier steht, und dann zum Lesen einladen. Wer das akzeptiert, schreibt anders – und deutlich besser.

Wo Werbesprache scheitert

Werbesprache klingt nach Werbung, nicht nach Information. Typische Muster:

  • Austauschbare Superlative: „führend", „innovativ", „maßgeschneidert", „höchste Qualität". Jeder behauptet das, deshalb sagt es nichts.
  • Leere Hauptwörter: „Realisierung", „Umsetzung", „Lösungskompetenz". Wer „Wir realisieren Ihre Vision" schreibt, hat nicht gesagt, was er tut.
  • Ich-Perspektive statt Besucher-Perspektive: Ein ganzer Absatz über die Firmengeschichte, bevor irgendwo steht, was Besucher davon haben.

Die Gegenprobe ist einfach: Kann ein Wettbewerber denselben Satz auf seine Website kopieren, ohne ein Wort zu ändern? Dann ist er austauschbar. „Wir bauen Websites mit WordPress und betreuen sie danach weiter" lässt sich nicht kopieren, wenn es bei dir stimmt – und bei anderen vielleicht nicht.

Der Aufbau: wichtigstes zuerst

Journalisten nennen es die umgekehrte Pyramide: Das Wichtigste steht oben, Details folgen. Für eine Leistungsseite heißt das:

  1. Eine Überschrift, die sagt, was die Seite bietet. Nicht „Willkommen", nicht „Unsere Kompetenz", sondern etwa „Webdesign für Unternehmen in Xanten und am Niederrhein".
  2. Ein Einstiegsabsatz mit zwei, drei Sätzen: Für wen ist das, welches Problem wird gelöst, was ist der Ertrag?
  3. Der Hauptteil in Abschnitten, jeder mit einer aussagekräftigen Zwischenüberschrift.
  4. Ein klarer nächster Schritt am Ende – und gern auch schon früher.

Der Einstieg ist der wichtigste Absatz der ganzen Seite. Wer ihn schreibt, sollte ihn laut lesen und fragen: Würde jemand, der nur diese Sätze liest, verstehen, worum es geht?

Überschriften sind Navigation

Zwischenüberschriften sind keine Dekoration. Sie sind das, was Besucher beim Überfliegen tatsächlich lesen. Zwei Regeln helfen:

Sag, was kommt – nicht, wie es heißt. „Was kostet das?" ist besser als „Investition". „So läuft ein Projekt ab" ist besser als „Unser Prozess". Wer nur die Überschriften liest, sollte den Inhalt der Seite grob verstehen.

Eine Überschrift, ein Thema. Wenn ein Abschnitt zwei Dinge erklärt, gehören dazu zwei Überschriften.

Das nützt nicht nur Menschen. Suchmaschinen und KI-Systeme lesen genau diese Struktur, um zu verstehen, was eine Seite beantwortet. Mehr dazu im Artikel Sichtbar für Google und KI und bei der Suchmaschinenoptimierung.

Absätze, Sätze, Listen

Auf dem Bildschirm ermüden lange Textblöcke schneller als auf Papier. Einige Faustregeln, die sich bewährt haben:

  • Absätze mit zwei bis vier Sätzen. Ein Gedanke pro Absatz.
  • Sätze, die man in einem Atemzug sprechen kann. Wenn du beim Vorlesen Luft holen musst, ist der Satz zu lang.
  • Aktiv statt Passiv: „Wir richten die Weiterleitungen ein" statt „Die Weiterleitungen werden eingerichtet".
  • Listen für Aufzählungen, aber nicht für alles. Eine Liste mit drei bis sieben Punkten ist gut; wer jeden Gedanken in Stichpunkte zerlegt, nimmt dem Text den Zusammenhang.
  • Fettdruck sparsam: höchstens ein, zwei Schlüsselbegriffe pro Abschnitt. Sonst ist am Ende alles wichtig und nichts mehr hervorgehoben.

Wer eine Zielgruppe mit eingeschränkter Lesekompetenz erreichen muss, etwa bei Behörden- oder Pflegethemen, findet beim Stichwort Leichte Sprache feste Regeln. Für die meisten Firmenseiten genügt schon: kurz, konkret, ohne Fremdwörter, wo ein deutsches Wort reicht.

Konkret statt allgemein

Der größte Hebel für glaubwürdige Texte sind konkrete Angaben. „Schnelle Lieferung" bleibt Behauptung, „Lieferung in der Regel innerhalb von drei Werktagen" ist eine Information – aber nur, wenn die Angabe stimmt. Dasselbe gilt für Leistungen, Abläufe, Preise und Kontaktwege.

Wo du Zahlen nicht nennen willst oder kannst, hilft ein ehrlicher Rahmen: wovon der Preis abhängt, wie ein Projekt typischerweise abläuft, was du vorab brauchst. Beispiele finden sich in den Artikeln Was kostet eine professionelle Website wirklich? und Von der Idee zur Website. Erfundene Referenzen, Kundenzahlen oder Auszeichnungen gehören nirgends hin – sie fallen spätestens auf, wenn jemand nachfragt.

Der nächste Schritt

Jede Seite sollte dem Besucher sagen, was er als Nächstes tun kann. Fachleute sprechen von einem Call-to-Action: ein klarer Hinweis wie „Rückruf vereinbaren" oder „Angebot anfragen". Je konkreter und kleiner der Schritt, desto eher wird er gegangen. „Kontaktieren Sie uns" ist schwächer als „Schreib uns kurz, was du vorhast – wir melden uns innerhalb eines Werktags", sofern das auch stimmt.

Wie sich das auf die Conversion auswirkt, siehst du nicht am Gefühl, sondern an Zahlen: Wie viele Besucher schreiben, rufen an, fragen an? Eine einzige geänderte Überschrift verändert das selten dramatisch, aber viele kleine Verbesserungen summieren sich.

Texte prüfen, bevor du sie veröffentlichst

Vier Fragen, die in fünf Minuten viel aufdecken:

  1. Wer ist gemeint? Steht die Zielgruppe im ersten Absatz erkennbar drin?
  2. Was ist der Ertrag? Wird klar, was der Besucher davon hat?
  3. Kopierbar? Könnte ein Wettbewerber den Satz unverändert übernehmen?
  4. Überfliegbar? Verstehst du die Seite, wenn du nur Überschriften und Fettdruck liest?

Bei Texten, die schon online sind, zeigt die Google Search Console, mit welchen Suchanfragen Besucher auf die Seite kommen – ein guter Hinweis darauf, welche Fragen der Text beantworten sollte.

Und KI beim Schreiben?

KI-Werkzeuge schreiben schnell und glatt, genau das ist das Risiko: Ohne klare Vorgaben liefern sie genau die austauschbare Werbesprache, um die es oben ging. Sinnvoll sind sie als Sparringspartner – für Gliederungen, Kürzungen und Umformulierungen – und nur mit deinen eigenen konkreten Angaben als Grundlage. Prüfen musst du jede Aussage selbst. Wie das in der Praxis aussehen kann, beschreibt die Seite zur KI-Automation.

Wer eine Website neu aufsetzt oder überarbeitet, sollte Texte nicht ans Ende schieben. Struktur und Texte gehören an den Anfang, weil sie das Webdesign bestimmen und nicht umgekehrt.

Häufige Fragen

Wie lang sollte ein Website-Text sein?

So lang, wie nötig, um die Frage des Besuchers zu beantworten – und nicht länger. Eine Leistungsseite kommt oft mit wenigen hundert Wörtern aus, ein Ratgeber darf deutlich länger sein, wenn er gut gegliedert ist. Wichtiger als die Länge ist, dass jeder Abschnitt etwas Neues sagt.

Soll ich „du" oder „Sie" schreiben?

Beides funktioniert, wenn es zur Zielgruppe und zum Auftritt passt. Entscheidend ist, dass du es durchhältst und nicht in einem Absatz zwischen beiden wechselst. Prüfe, wie du auch im Gespräch mit deinen Kunden sprichst – der Text sollte nicht fremder klingen als du selbst.

Muss ich Texte für Suchmaschinen anders schreiben?

Nicht grundsätzlich anders. Ein klarer Aufbau, aussagekräftige Überschriften und konkrete Antworten helfen Besuchern und Suchmaschinen gleichermaßen. Der Versuch, ein Schlagwort möglichst oft zu wiederholen, schadet dagegen der Lesbarkeit und bringt heute kaum noch etwas.

Wer sollte die Texte schreiben – ich oder die Agentur?

Idealerweise entstehen sie gemeinsam: Du lieferst die Fakten – was du anbietest, wie es abläuft, was dich unterscheidet –, die Agentur sorgt für Aufbau, Verständlichkeit und Tonalität. Texte, die allein von außen geschrieben werden, bleiben oft allgemein, weil die konkreten Details fehlen.

Holger Klopmeyer
Holger Klopmeyer

Grafikdesigner & Programmierer. Seit über 25 Jahren in der Werbung zuhause – heute mit Fokus auf Websites, 3D, SEO und KI-Automation für Agenturen und Unternehmen.

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