Es gibt wenige Dinge im Online-Marketing, bei denen Aufwand und Wirkung so weit auseinanderliegen wie beim Google-Unternehmensprofil. Es kostet nichts, ist an einem Vormittag eingerichtet – und trotzdem sehe ich bei Betrieben aus der Region reihenweise Profile mit falschen Öffnungszeiten, vier Jahre alten Fotos und einer unbeantworteten Ein-Stern-Bewertung ganz oben. Wer in Xanten, Wesel oder Kleve nach einer Praxis, einem Handwerker oder einer Agentur sucht, sieht genau dieses Profil zuerst. Oft, bevor er die Website überhaupt anklickt.
Bei einer lokalen Suche steht über den klassischen Treffern der Kartenblock mit drei Einträgen. Wer dort steht, bekommt einen großen Teil der Klicks – und viele Leute rufen direkt aus dem Profil an, ohne je auf der Website gewesen zu sein. Das Profil ist damit für viele Betriebe die meistbesuchte Seite, die ihnen gar nicht gehört.
Dazu kommt: Die Daten aus dem Profil sind inzwischen auch Futter für KI-Antworten. Google baut Gemini in Maps ein, in den USA und Indien läuft mit „Ask Maps“ bereits eine Chat-Suche, die Öffnungszeiten, Kategorien, Attribute, Fotos und Rezensionen direkt aus den Unternehmensprofilen zieht. In Deutschland steht der Rollout noch aus – aber die Richtung ist klar, und ich würde nicht warten, bis er da ist. Wie das Thema insgesamt zusammenhängt, steht im Artikel SEO in Zeiten der KI-Suche.
Google ist an dieser Stelle ungewöhnlich offen und nennt genau drei Dinge:
Und ein Satz, den man sich merken sollte, wenn wieder ein Anruf mit „Wir bringen Sie auf Platz 1 bei Google Maps“ kommt: Ein besseres lokales Ranking lässt sich laut Google nicht einfordern – auch nicht gegen Bezahlung.
Der langweiligste Teil ist der wirksamste.
Profile mit aktuellen, echten Fotos wirken schlicht lebendiger – und Google zeigt sie prominent. Ein paar ordentliche Aufnahmen von außen (damit man den Eingang findet), von innen und von der Arbeit reichen. Handyfotos bei Tageslicht sind völlig in Ordnung, gekaufte Stockbilder sind es nicht. Zu Formaten und Größen steht das Nötige im Artikel SVG, JPG, WebP oder AVIF?.
Bewertungen zahlen direkt auf die Bekanntheit ein, und sie entscheiden beim Menschen vor dem Bildschirm über den Klick. Drei Regeln:
Fragen ist erlaubt, kaufen nicht. Du darfst zufriedene Kunden aktiv um eine Bewertung bitten – am besten direkt nach dem Projektabschluss und mit einem Kurzlink, den du aus dem Profil bekommst. Was Google streng verbietet, sind Anreize: Rabatte, Gutscheine oder Geschenke als Gegenleistung gelten als gefälschte Interaktionen und können das ganze Profil kosten.
Auf alles antworten. Auch und gerade auf die schlechten. Eine sachliche Antwort ist nicht für den verärgerten Kunden geschrieben, sondern für die dreißig Leute, die die Rezension später lesen. Kurz, freundlich, ohne Rechtfertigungsschleife, mit Angebot zur Klärung außerhalb.
Nicht in Panik verfallen. Eine einzelne kritische Bewertung zwischen lauter guten wirkt glaubwürdiger als lückenlose Fünf-Sterne-Reihen. Offensichtlich falsche oder beleidigende Rezensionen kannst du melden – das dauert, funktioniert aber häufiger, als der Ruf vermuten lässt.
Im Profil lassen sich Beiträge veröffentlichen – in drei Varianten: Aktuelles, Angebote und Veranstaltungen. Sie tauchen im Profil auf, sind schnell gemacht und werden von den allermeisten Betrieben komplett ignoriert.
Wichtig zu wissen: Beiträge ohne festen Zeitraum archiviert Google nach sechs Monaten. Es ist also kein Kanal, den man einmal befüllt, sondern einer, der regelmäßig ein Lebenszeichen braucht. Telefonnummern gehören übrigens nicht in den Beitragstext, dafür ist die Aktionsschaltfläche da.
Ich selbst mache das so: Zu jedem neuen Artikel in dieser Wissensdatenbank geht ein kurzer Beitrag ins Profil, mit Teaser und Button „Weitere Informationen“. Das kostet fünf Minuten und hält das Profil ohne künstliche Anlässe in Bewegung.
Ein Punkt, der zu selten Thema ist: Google räumt in diesem Produkt regelmäßig auf.
Daraus folgt die wichtigste strategische Lehre dieses Artikels: Das Unternehmensprofil ist ein hervorragender Schaufenster-Ersatz, aber kein Fundament. Wer seine Erreichbarkeit, seine Inhalte und seine Kundenkommunikation ausschließlich auf einer fremden Plattform aufbaut, verliert sie irgendwann per Ankündigung. Die eigene Website bleibt der Ort, der dir gehört.
Keywords in den Firmennamen zu schreiben („Müller Sanitär Heizung Notdienst Wesel“) verstößt gegen die Richtlinien und kann zur Sperrung führen – Wettbewerber melden so etwas zuverlässig. Gekaufte Bewertungen sind keine Grauzone, sondern ein Risiko fürs ganze Profil. Und Anbieter, die für 99 Euro im Monat „Profil-Optimierung“ verkaufen, machen in aller Regel genau das, was oben in zwanzig Minuten beschrieben ist.
Das Unternehmensprofil ist der schnellste Sichtbarkeitsgewinn, den kleine Betriebe haben – aber es wirkt am besten zusammen mit einer Website, die dieselben Fragen beantwortet. Wie man dafür Inhalte aufbaut, die von Google und von KI-Systemen gefunden werden, steht in Sichtbar für Google und KI. Wenn du dein Profil und deine Website einmal gemeinsam durchgehen möchtest: Ich schaue mir das gerne an – mehr dazu auf der Seite SEO und Sichtbarkeit.
Ja. Das Profil gehört Google, nicht dir – und Google hat in den letzten Jahren mehrere Funktionen ersatzlos abgeschaltet, darunter die kostenlose Profil-Website. Außerdem zählt Google Verweise von anderen Websites zur Bekanntheit; ohne eigene Seite fehlt dir dieser Faktor. Sinnvoll ist beides zusammen: Das Profil bringt den ersten Kontakt, die Website liefert Substanz.
Einmal im Monat reicht völlig, wenn es echte Anlässe gibt. Beiträge ohne eigenen Zeitraum werden nach sechs Monaten archiviert – ein leeres Profil ist also ein Profil, in dem seit über einem halben Jahr nichts passiert ist. Lieber selten und mit Inhalt als wöchentlich mit Füllmaterial.
Bitten ja, belohnen nein. Google verbietet ausdrücklich Anreize wie Rabatte oder Geschenke als Gegenleistung für Rezensionen und wertet sie als gefälschte Interaktionen. Erlaubt und wirksam: kurz nach Projektabschluss freundlich fragen und den Bewertungs-Kurzlink mitschicken.
Erst öffentlich und sachlich antworten, dann über das Profil melden. Antworte auch dann, wenn du die Bewertung für unfair hältst – gelesen wird sie von künftigen Kunden, und deine Reaktion sagt über dich mehr aus als die Bewertung selbst. Löschen lässt Google nur, was gegen die Richtlinien verstößt, nicht was unangenehm ist.
Zunehmend ja. Die KI-gestützte Suche in Maps greift auf Stammdaten, Kategorien, Attribute, Fotos und Rezensionen aus den Profilen zu – in den USA und Indien läuft das bereits, in Deutschland steht der Start noch aus. Wer heute saubere Angaben und gepflegte Attribute hat, ist vorbereitet, ohne etwas Zusätzliches tun zu müssen.
Grafikdesigner & Programmierer. Seit über 25 Jahren in der Werbung zuhause – heute mit Fokus auf Websites, 3D, SEO und KI-Automation für Agenturen und Unternehmen.
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