„Google schickt uns keine Besucher mehr." Diesen Satz höre ich seit gut einem Jahr regelmäßig. Manchmal stimmt er. Oft stimmt er in dieser Schärfe nicht – und fast immer lohnt es sich, statt des Bauchgefühls die Zahlen anzuschauen.
Seit Mai 2025 zeigt Google auch in Deutschland flächendeckend AI Overviews: eine von KI erzeugte Antwort, die über den klassischen Treffern steht. Dazu kommen ChatGPT, Perplexity und Googles AI Mode als eigenständige Einstiegspunkte. Dieser Artikel sortiert, was das messbar verändert – und was du sinnvollerweise tust.
Fangen wir mit dem Ausmaß an. In Deutschland lösen derzeit rund 17 bis 20 Prozent aller Suchanfragen eine KI-Übersicht aus – also etwa jede fünfte, nicht jede.
Wo sie erscheint, ist der Effekt allerdings deutlich. Das Pew Research Center hat in den USA das Verhalten von rund 900 Personen ausgewertet: Mit KI-Übersicht klickten 8 Prozent auf ein klassisches Suchergebnis, ohne sie 15 Prozent. Auf die Quellen-Links innerhalb der KI-Antwort klickte gerade mal 1 Prozent. Und mehr Menschen beendeten ihre Sitzung direkt nach der Antwort (26 statt 16 Prozent).
Für Deutschland hat SISTRIX im Februar 2026 rund 100 Millionen Keywords ausgewertet. Ergebnis: Wo eine KI-Übersicht erscheint, fällt die Klickrate auf Position 1 von 27 auf 11 Prozent – ein Minus von knapp 60 Prozent. Hochgerechnet sind das etwa 265 Millionen verlorene Klicks pro Monat, rund 6,6 Prozent des gesamten organischen Traffics in Deutschland.
Die entscheidende Zahl ist aber nicht der Durchschnitt, sondern die Streuung: Rezeptseiten verloren gerade einmal 1 Prozent, Elternportale bis zu 24 Prozent. Wikipedia allein büßt etwa 31,6 Millionen Klicks im Monat ein. Ob es dich trifft, hängt also weniger von „der KI" ab als davon, welche Art von Frage deine Seiten beantworten.
Grob lassen sich drei Muster erkennen:
Wer regional und dienstleistungsnah arbeitet, verliert also meist deutlich weniger als ein reines Content-Portal.
Parallel wächst der Traffic direkt aus KI-Assistenten. Nur: Er ist noch klein. Nach Similarweb-Daten machen Verweise aus ChatGPT, Perplexity und Co. etwa 1 Prozent aller Websitebesuche aus. ChatGPT stellt davon den Löwenanteil.
Interessant ist die Qualität dieser Besuche. Wer über eine KI-Empfehlung kommt, sieht im Schnitt doppelt so viele Seiten, bleibt doppelt so lange und kommt mit rund 2,5-facher Wahrscheinlichkeit innerhalb einer Woche zurück. Kein Wunder: Diese Menschen haben eine Empfehlung bekommen, keine Anzeige.
Der eigentliche Effekt läuft aber gar nicht über den Link. 56 Prozent der KI-beeinflussten Besucher landen über eine Markensuche auf der Website – sie lesen deinen Namen in der KI-Antwort und googeln ihn anschließend. Bei normalen Besuchern sind es 40 Prozent. In deiner Statistik sieht das aus wie „organische Suche" oder „Direkteinstieg". Der KI-Einfluss ist unsichtbar, aber vorhanden.
1. Fragen so beantworten, dass die Antwort zitierfähig ist. KI-Systeme greifen Passagen ab, die eine Frage in wenigen Sätzen klar beantworten. Wie man Inhalte dafür baut, steht ausführlich unter Sichtbar für Google und KI – der Fachbegriff dafür ist GEO.
2. Etwas schreiben, das ein Modell nicht selbst weiß. Eigene Zahlen, eigene Projekte, eine begründete Meinung, ein Vorher-Nachher. Allgemeinwissen fasst die KI selbst zusammen – Erfahrung nicht. Das ist der eine Punkt, an dem sich Aufwand heute wirklich auszahlt.
3. Technik sauber halten. Klare Überschriften-Hierarchie, strukturierte Daten, eine llms.txt. Nichts davon garantiert eine Nennung, aber alles davon senkt die Hürde.
4. Die Marke stärken. Wenn mehr als die Hälfte des KI-Effekts über Markensuchen ankommt, ist der Name das eigentliche Asset. Gemeint ist nicht Logo-Politur, sondern: an Orten vorkommen, die KI-Systeme lesen – Branchenverzeichnisse, Fachbeiträge, Erwähnungen, ein gepflegtes Google-Unternehmensprofil.
5. Nicht nur auf Klicks optimieren. Wenn weniger Menschen klicken, muss der einzelne Besuch mehr leisten. Ein sichtbarer Terminbutton, eine erreichbare Telefonnummer, ein Formular, das nicht nach Behörde aussieht. Klingt banal, ist aber der Hebel mit dem besten Verhältnis von Aufwand zu Wirkung.
Bevor du etwas umbaust, schau nach. Drei Blicke reichen:
chatgpt.com, perplexity.ai oder copilot.microsoft.com auf? Erwarte kleine Zahlen – aber schau dir an, was diese Besucher tun.Technisch geht das: GPTBot, ClaudeBot, PerplexityBot und andere lassen sich in der robots.txt blockieren. Die ehrliche Abwägung ist ein Tauschgeschäft – wer nicht gelesen wird, wird auch nicht zitiert und nicht empfohlen.
Für Verlage mit bezahlten Inhalten kann Sperren richtig sein. Für ein Unternehmen, das gefunden werden will, ist es fast immer ein Eigentor. Sinnvoller ist der Mittelweg: öffentliche Inhalte offen lassen, Kundenbereiche und Downloads gezielt schützen.
Die Suche verschiebt sich, aber sie verschwindet nicht. Was verschwindet, sind die billigen Klicks auf Fragen, die eine Maschine in zwei Sätzen beantworten kann. Was bleibt – und wertvoller wird – sind Menschen, die etwas entscheiden oder beauftragen wollen.
Wenn du wissen willst, wie deine Zahlen konkret aussehen: Ich schaue mir das gerne mit dir an, ehrlich und ohne Paketverkauf am Ende. Mehr dazu unter SEO-Optimierung.
In aller Regel nicht. Die kursierenden Schreckenszahlen beziehen sich auf einzelne Seiten mit reinen Wissensinhalten. Über alle deutschen Websites gerechnet liegt der Verlust laut SISTRIX bei etwa 6,6 Prozent des organischen Traffics – und er verteilt sich sehr ungleich. Lokale Dienstleister und Seiten mit Kaufabsicht spüren oft fast nichts.
Der einfachste Test: Stelle ChatGPT, Perplexity und Googles KI-Modus die Fragen, für die du gefunden werden willst, und schau, wer zitiert wird. Ergänzend zeigen Verweisquellen im Analyse-Tool und wachsende Markensuchen in der Search Console, dass etwas ankommt. Spezialisierte Tracking-Werkzeuge gibt es inzwischen, für kleinere Unternehmen sind sie meist zu teuer für den Erkenntnisgewinn.
Nein – aber der Maßstab ändert sich. Statt „Auf welchem Platz stehe ich?" lautet die Frage künftig eher „Werde ich als Quelle genannt, und was passiert danach?". Die Arbeit dahinter ist der alten erstaunlich ähnlich: verständliche Inhalte, saubere Technik, echte Substanz. Nur belohnt sie heute weniger die Masse und mehr die Klarheit.
Selten. Wenn die Antwort ohnehin aus einem Modell kommt, hat ein Modell keinen Grund, ausgerechnet deine Version zu zitieren. Zitierfähig macht dich das, was nur du hast: eigene Daten, eigene Fälle, eine klare Einschätzung. Masse ohne Substanz kostet Pflegeaufwand und bringt nichts zurück.
Nein, aber überarbeiten. Prüfe in der Search Console, welche Seiten Impressionen bekommen, aber kaum noch Klicks. Dort lohnt es sich, die Antwort auf die Kernfrage nach oben zu ziehen, eigene Erfahrung zu ergänzen und einen klaren nächsten Schritt anzubieten. Löschen hilft nur bei Inhalten, die inhaltlich falsch oder überholt sind.
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