Es ist ein Muster, das sich ständig wiederholt: Ein Unternehmen investiert in eine neue Website – moderner, schöner, schneller. Vier Wochen nach dem Go-live kommt der Anruf: „Wir sind bei Google abgestürzt." Die Besucherzahlen halbiert, wichtige Rankings weg, das Kontaktformular bleibt still. Das Tückische daran: Der Absturz hat fast nie mit dem neuen Design zu tun. Er passiert aus einer Handvoll technischer Gründe, die alle vermeidbar sind – wenn man sie vor dem Go-live auf dem Zettel hat.
Google bewertet keine Websites, sondern einzelne Adressen (URLs). Jede Unterseite hat sich ihr Ranking über Jahre aufgebaut – durch Inhalte, Verlinkungen von außen und Nutzersignale. Bei einem Relaunch ändern sich diese Adressen fast immer: aus `/leistungen.html` wird `/leistungen/`, aus dem alten Blog-Pfad wird eine neue Struktur, manche Seiten fallen ganz weg.
Wenn die alte Adresse dann ins Leere läuft (Fehler 404), passieren zwei Dinge: Google wirft die Seite nach und nach aus dem Index – und das über Jahre aufgebaute Vertrauen verfällt, statt auf die neue Seite überzugehen. Wer von extern verlinkt hat, verlinkt jetzt auf eine Fehlerseite. Genau dafür gibt es die Lösung mit dem sperrigen Namen 301-Redirect: eine dauerhafte Umleitung, die Besucher und Suchmaschinen von der alten zur neuen Adresse führt und dabei die Ranking-Signale weitergibt.
Aus Projekten, bei denen ich nach einem Absturz zur Fehlersuche gerufen wurde, ergibt sich immer wieder dieselbe Liste:
Der wichtigste Teil der Relaunch-Arbeit passiert, bevor irgendetwas online geht:
Bestandsaufnahme. Alle indexierten URLs sammeln – aus der Google Search Console, der alten Sitemap und einem Crawl der Live-Site. Dazu aus den Statistiken notieren, welche Seiten wirklich Besucher bringen. Diese Liste ist die Arbeitsgrundlage für alles Weitere.
Umleitungstabelle bauen. Für jede alte URL die passende neue Adresse festlegen – möglichst die inhaltlich entsprechende Seite, nicht pauschal die Startseite. Massenumleitungen auf die Startseite behandelt Google wie Fehlerseiten. Seiten, die bewusst wegfallen, bekommen ein sauberes Ziel in der Nähe oder einen ehrlichen 410-Status.
Inhalte übernehmen statt neu erfinden. Was gut rankt, wird inhaltlich weitergeführt – gern überarbeitet und verbessert, aber nicht ersatzlos eingedampft.
Technik prüfen. Lädt die neue Seite schnell? Stimmen Titel und Beschreibungen? Sind strukturierte Daten übernommen? Läuft alles über HTTPS mit sauberen Weiterleitungen?
Am Tag der Umstellung: Umleitungen scharf schalten und sofort stichprobenartig testen – die zwanzig wichtigsten alten URLs von Hand aufrufen. Das `noindex` der Testumgebung entfernen, die robots.txt kontrollieren, die neue Sitemap in der Search Console einreichen.
In den Wochen danach ist die Google Search Console das Cockpit: Der Bericht „Seiten" zeigt, welche alten URLs auf Fehler laufen – jede davon bekommt nachträglich ihre Umleitung. Ein moderater, vorübergehender Schwankungseffekt ist normal, während Google die neue Struktur verarbeitet; er sollte sich nach wenigen Wochen legen. Was sich nicht legt, ist ein echtes Problem – dann lohnt der systematische Blick auf Umleitungen, Inhalte und Geschwindigkeit.
Übrigens gilt das alles auch im Kleinen: Schon der Wechsel des CMS oder eine „kleine" Umstellung der URL-Struktur ist technisch ein Relaunch – mit denselben Regeln. Ob ein Systemwechsel überhaupt ansteht, beleuchtet der Artikel WordPress, Baukasten oder individuell?, und was ein sauberer Neuaufbau kostet, steht im Artikel Was kostet eine professionelle Website?.
Bei aller Vorsicht: Ein Relaunch ist auch der beste Moment, Versäumtes aufzuholen. Saubere Überschriften-Struktur, schnelle Ladezeiten, Barrierefreiheit von Anfang an statt als Nachrüstung, strukturierte Daten für Suchmaschinen und KI-Sichtbarkeit – all das ist im Neubau günstiger zu haben als im Bestand. Wer die Umzugsliste beherrscht, kann aus dem Relaunch gestärkt herauskommen: gleiche Rankings am Tag eins, bessere nach sechs Monaten.
Du planst einen Relaunch oder steckst schon in einem Absturz? Melde dich – ich schaue mir die Lage an und sage dir, wo es klemmt.
Bei sauberer Umsetzung mit vollständigen 301-Umleitungen sind Schwankungen von wenigen Tagen bis etwa vier bis sechs Wochen normal – Google muss die neue Struktur erst vollständig verarbeiten. Hält ein deutlicher Einbruch länger an, liegt fast immer ein konkreter Fehler vor: fehlende Umleitungen, gelöschte Inhalte oder ein technisches Problem wie ein vergessenes noindex.
Jede URL, die indexiert ist, Besucher bringt oder von extern verlinkt wird – das zeigt die Bestandsaufnahme vorab. Bedeutungslose Alt-URLs ohne Verkehr und Verlinkung dürfen auch ins Leere laufen. Wichtig ist die Umleitung auf die inhaltlich passende neue Seite; pauschale Weiterleitungen auf die Startseite wertet Google wie Fehlerseiten.
Eine 301 ist dauerhaft und übergibt die Ranking-Signale an die neue Adresse – das Richtige für einen Relaunch. Eine 302 ist als vorübergehend deklariert; Google behält dann die alte URL im Index. Ein verbreiteter Fehler ist, dass Systeme standardmäßig 302 ausliefern, obwohl 301 gemeint ist – das lässt sich mit kostenlosen Redirect-Checkern in Sekunden prüfen.
Meist ja, und je früher, desto besser. Der Weg: In der Search Console alle 404-Fehler einsammeln, fehlende Umleitungen nachziehen, gelöschte Inhalte mit Suchverkehr wiederherstellen und die Sitemap neu einreichen. Google crawlt die alten Adressen noch monatelang – solange das Vertrauen nicht komplett verfallen ist, kommt ein großer Teil der Rankings zurück.
Die Erfahrung sagt: Design-Agenturen denken in Gestaltung, nicht in URLs. Wer den Relaunch technisch begleitet, braucht die Bestandsaufnahme, die Umleitungstabelle und die Nachkontrolle – das kann die Agentur leisten, ein externer SEO-Begleiter oder beides zusammen. Entscheidend ist nur, dass es explizit jemandes Aufgabe ist. „Macht das CMS automatisch" ist die teuerste Antwort auf diese Frage.
Grafikdesigner & Programmierer. Seit über 25 Jahren in der Werbung zuhause – heute mit Fokus auf Websites, 3D, SEO und KI-Automation für Agenturen und Unternehmen.
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